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Arbeiten SPUREN


Okt. 2021
Heute ist der Todestag meiner Freundin Anette Brandstäter.
Sie war nicht meine erste Freund*in, die an Krebs starb.
Sie recherchierte und informierte sich und nahm sich Zeit, Therapien auszusuchen. Es waren zu unterschiedlichen Zeichen unterschiedliche Ansätze. Sie galt einige Monate als krebsfrei. War gesund. Unglaublich groß. Als sie mich dann bat, sie zu unterstützen, ein Buch über ihren selbstbestimmten Heilungsprozess zu schreiben, lehnte ich ab. Ich habe mich schäbig gefühlt, aber ich wußte, dass sie, sobald wir uns träfen, spüren würde, dass ich nicht alles für so plausibel hielt als dass ich anderen Erkrankten z.B. von einer Chemo abraten wollte, auch, obwohl ich wusste, dass sie in der Zeit der Gegenbeweis war. Ich wollte auch, dass sie an ihren Weg glaubt. Ich wollte nicht recht haben.
Dieses Gefühl, nicht loyal genug zu sein, hat nie mehr aufgehört.
Es gibt nicht den einen Weg. Keine Sicherheit.
Als ich sie zum letzten Mal traf, war alles offen. Es war leicht zu erkennen, wie krank sie wieder war. Es war ein enormer Drahtseilakt ehrlich zu sein und verbunden zu bleiben. Sie zu stärken für ihren letzten Weg, das ahnte ich. Irgendwie haben wir auch darüber gesprochen, glaube ich. Wir haben uns sehr vorsichtig betastet. Unser Band war stark, es zu spüren wunderschön!
Eine Woche später starb sie zu Hause. Wie sie es wollte mit ihren Lieben.
Ich versuche immer sie selbstbestimmt in Erinnerung zu behalten. Und das war sie und eine ältere Schwester, manchmal hart im Urteil und knapp im Kommentar. Aber wenn ich doch mal zufällig über ihr Buch stolpere (ich vermeide es), dann sehe ich schmerzlich ein, dass sie auch gekämpft hat, weil sie glaubte, dass die Krankheit ihre Schuld war und würde sie nur genug an sich arbeiten, würde sie gesund werden. Dieser Leistungsgedanke ist in meinen Augen ein altes (strukturelles) Muster. Dass sie darauf so zurückgeworfen wurde, das macht mich immer noch wütend. Leute haben Geld daraus gemacht. Ich hoffe, sie wusste am Ende, dass sie gut genug war. #woimmerduauchbist
#loveyousis
#nichtsistversprochen
#annettebrandstäter
#fckgnm
#hiddensee
#rostock




Apr.2021
Wenn ich träume, sehe ich manchmal Anis, nicht viel größer als eine Ameise, vielleicht nicht größer als eine Kohlmeise? Dann höre ich sie singen. »Nimm ein’ Gruß mit und ein’ Kuss«, singt sie und dreht sich im Kreis, wie es Kinder machen, wenn sie tanzen. Ich beuge mich hinunter zu ihr. Ich bin eine Riesin, und sie steht in der Ruine eines Mietshauses. Ich glaube, es ist Driews altes Haus …

#seitichfortbin
#doerlemann
#2017
#mareikehofmann #1997